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Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit

Das Leitbild der deutschen Familienpolitik ist bis heute das modifizierte Alleinernährer-Modell, bei dem der männliche Partner die Haupterwerbstätigkeit übernimmt, die Partnerin durch eine Teilzeitbeschäftigung zum Familieneinkommen beiträgt. Rechtlich wurde dieses Leitbild zwar bereits in den 70er Jahren abgeschafft, jedoch schafft der deutsche Staat durch steuerliche Regelungen* sowie das Sozialversicherungssystem finanzielle Anreize, die die Praxis dieses Lebensmodells unterstützen. 

Was die Erwerbsbeteiligung von Frauen ohne Kinder angeht, schneidet Deutschland laut OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development) international gut ab. Die Care-Arbeit jedoch beeinträchtigt Frauen im Erwerbsleben stark. Nicht ausreichende Kinderbetreuungsangebote sowie ungünstige Arbeitszeiten erschweren eine Rückkehr in das Berufsleben. Die Bundesregierung hat durch neue Maßnahmen wie die Einführung des Elterngeldes als Lohnersatzleistung, das von jungen Paaren gut angenommen wurde, einen fortschrittlichen Beitrag geleistet. Dennoch bleibt die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit vor allem für jüngere Mütter und Väter problematisch. Das Pflegestärkungsgesetz unterstützt pflegende Angehörige, jedoch ist die Reduzierung der Arbeitszeit auf maximal zwei Jahre begrenzt.

 

*Das Ehegattensplitting ist in Bezug auf den Grundgesetzauftrag, Frauen und Männer gleichzustellen, ein Fehlanreiz, der die eigenständige Existenzsicherung für die/den geringer Verdienende/n erschwert. Bis zu einer vielfach geforderten Abschaffung versucht die Bundesregierung lediglich mit der Option der Steuerklassenkombination IV/IV mit Faktorverfahren entgegenzuwirken. Das Faktorverfahren bei der Steuerklasse IV, das Ehepaare und eingetragene Lebenspartner*innen anstelle der Steuerklassenkombinationen III/V oder IV/IV wählen können, ist ein Anteilsmodell zur gerechteren Besteuerung ungleicher Einkommen und soll die der Steuerklasse V zugeschriebene Hemmschwelle für Erwerbstätigkeit senken. 

Beim Faktorverfahren zahlt die-/derjenige mit dem geringeren Einkommen auch weniger Lohnsteuer, das höhere Nettoeinkommen hat auch Auswirkungen auf die später zu erwartende Rente. Details zu den Auswirkungen hat die Gleichstellungsministerkonferenz im Februar 2017 veröffentlicht. 

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